Eat the Night
Caroline Poggi, Jonathan Vinel, Frankreich, 2024o
Pablo, ein kleinkrimineller Dealer, und seine jugendliche Schwester Apolline sind durch ihre gemeinsame Besessenheit von dem Online-Videospiel Darknoon unzertrennlich aneinander gebunden. Als Pablo sich in den mysteriösen Night verliebt, wird er von der Liaison verschlungen und lässt seine Schwester mit der drohenden Schliessung ihres digitalen Paradieses allein. Als Pablo mit seinen leichtsinnigen Entscheidungen den Zorn einer gefährlichen rivalisierenden Gang auf sich zieht, rückt das Ende ihres virtuellen Lebens näher - die Realität steht Kopf.
Mit ihrem zweiten langen Spielfilm liefern Caroline Poggi und Jonathan Vinel nach einer Reihe von Kurzfilm-Intermezzi den Liebesfilm, auf den unsere nach Gefühlen hungernde Zeit gewartet hat: so romantisch und verzweifelt wie ein Nicholas Ray (The Live by Night), dies vor dem Hintergrund des Weltuntergangs – nicht des unsrigen, sondern jenem eines Online-Videospiels namens Darknoon, das Pablo und seine Schwester Apolline (Lila Gueneau, aktuell auch zu sehen in À bras-le corps) seit ihrer Kindheit spielen. Sechzig Tage vor Ablauf der Frist erfahren die Geschwister von dessen geplanter Einstellung, in dieser Zeitspanne spielt der Film, das heisst: der Zeit die nötig ist, um sich von etwas verabschieden, das man so sehr geliebt hat. Sie wird auch die Zeit einer neuen Liebesgeschichte sein, die ebenfalls im Zeichen des Todes steht. Pablo trifft Night, den er zunächst als Komplizen für seinen Handel mit hausgemachten Drogen anwirbt, bevor die Leidenschaft die beiden jungen Männer erfasst, die bald von einer Gruppe rivalisierender Dealer bedroht werden. Verlorenes Paradies, unmögliche Liebe: Unerbittlich werden die Liebenden der Nacht von der Dunkelheit verschlungen, während Appoline ihre einsame Erkundung von Darknoon fortsetzt. Die gute Nachricht: Die Romantik ist nicht tot.
Émilien Gür
