Jeunes mères
Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne, Belgien, Frankreich, 2025o
Jessica, Perla, Julie, Ariane und Naïma leben in einem Mutter-Kind-Heim, das ihnen in ihrem Leben als junge Mütter hilft. Diese fünf Teenager hoffen auf ein besseres Leben für sich und ihre Kinder, doch ihr Weg ist mit Hindernissen gepflastert, zwischen Traumata der Vergangenheit und materiellen Sorgen. Zwischen diesen Fallstricken muss jede Mutter ihren eigenen Weg finden.
Jeunes mères ist der erste Ensemblefilm der Brüder Dardenne und begleitet fünf Teenagerinnen, die sich den Herausforderungen der Mutterschaft stellen müssen – eine Erfahrung, die sie in einem Heim in einem benachteiligten Viertel von Lüttich in Belgien teilen. Geschickt verflechten die Regisseure diese mit Hindernissen gepflasterten Lebenswege: Eine junge Mutter, die bei ihrer Geburt in eine Pflegefamilie gegeben wurde, wird beim Gebären von dem Trauma der Verlassenheit eingeholt; eine andere verliert den Boden unter den Füssen, als ihr Freund, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, sie feige verlässt; wieder eine andere kämpft mit aller Kraft darum, nicht in die Drogenabhängigkeit zurückzufallen und wird dabei unterstützt von ihrem Partner. Die Stärke des Films liegt zum einen in der Besetzung – seit La promesse sind die Filmemacherbrüder unübertroffen darin, vielversprechende Schauspieler:innen zu entdecken. Jeunes mères beweist dies erneut mit ihrer Regie, die den Schauspielerinnen eine beeindruckende Authentizität verleiht. Aber die Anziehungskraft des Films liegt auch in der Feinheit des Drehbuchs, das jeder Form von Elendsromantik widersteht und auf die Einzigartigkeit jeder einzelnen Figur achtet. In den Händen dieser erfahrenen Regisseure, die es verstehen, jede noch so kleine Wendung im Drehbuch so glaubwürdig wie ein Stück Wirklichkeit und so bedeutungsvoll wie einen Roman von Charles Dickens erscheinen zu lassen, erweist sich die Fiktion als der beste Umweg, um die Realität zu erfassen. Hier entsteht Emotion aus der Begegnung zwischen dem Blick der Filmemacher und dem Spiel ihrer Schauspielerinnen. Dank dieser Alchemie gelingt es dem Film zuletzt, uns ein besonders ergreifendes musikalisches Happy End zu verkaufen, vor dessen Kühnheit man nur den Hut ziehen kann.
Émilien GürGalerieo
