Siri Hustvedt - Dance Around the Self

Sabine Lidl, Deutschland, Schweiz, 2025o

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Jung, neugierig und voller Taten­drang verlässt Siri Hust­vedt das weite, ruhige Minne­sota und stürzt sich mitten hinein ins pulsie­rende New York. Auf der Suche nach der Haupt­figur ihres ersten Romans beginnt eine Reise, die sie nicht nur zur Schrift­stel­lerin macht, sondern zu einer der wich­tigsten Stimmen der ameri­ka­ni­schen Gegen­warts­li­te­ratur.

Siri Hustvedt, die gefeierte amerikanische Schriftstellerin und Essayistin, tourt gerade durch Europa, um Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung vorzustellen. Darin schreibt sie über ihre Trauer, das Erinnern und ihr Weiterleben nach dem Tod von Paul Auster (1947-2024), ihrem langjährigen Ehemann und der grossen Liebe ihres Lebens. Fast gleichzeitig erscheint nun ein Dokumentarfilm von Sabine Lidl, in dem es ebenfalls um diese Lebensgemeinschaft geht. Dass es möglich war, den schon schwer kranken Auster in den Film einzubeziehen, liegt daran, dass die deutsche Regisseurin das Paar seit ihrem Porträt Paul Austers von 2018 gut kannte. Doch Siri Hustvedt – Dance Around the Self spannt einen grösseren zeitlichen Bogen: Der Dokumentarfilm führt uns ins ländliche Minnesota, wo Siri mit ihren drei Schwestern aufwuchs; wir lernen die familiären Bezüge zu Norwegen kennen, wo Siri eine prägende Zeit im Gymnasium verbrachte; wir erfahren, wie die junge Frau 1978 in New York ankam und zur Schriftstellerin wurde. Und wir begleiten die nun Einundsiebzigjährige nochmals nach Norwegen, wo sie ein Hexenmahnmal von Louise Bourgeois besucht – einer für Hustvedt wichtigen Künstlerin, die sich ebenfalls intensiv mit ihrer gesellschaftlichen Rolle als Frau in der (Kunst-)Welt auseinandersetzte. Was den Film strukturiert und zugleich von einem klassischen Porträt abhebt, sind die literarischen Passagen, die teils durch Animationsfilm-Sequenzen illustriert werden: Hustvedt liest immer wieder aus ihren Büchern vor, besonders aus The Blindfold (Die unsichtbare Frau) von 1992. Dabei erlebt man eine Frau, die ganz in ihrer Sprache aufgeht und so klarsichtig denkt, wie sie formuliert. Dass das Schreiben für sie eine innere Notwendigkeit darstellt, glaubt man ihr sofort. Zugleich wirkt die berühmte Intellektuelle sympathisch nahbar – auch dank ihres Humors und ihres Lachens, das immer wieder spontan aus ihr hervorbricht. Ein sehr sehenswertes Porträt.

Kathrin Halter

Galerieo

Filmdateno

Genre
Dokumentarfilm
Länge
110 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
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ØIhre Bewertung7.3/10
IMDB-User:
7.3 (28)
Cinefile-User:
< 3 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen

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