r The Social Reckoning
Aaron Sorkin, USA, 2026o
Die junge Facebook-Ingenieurin Frances Haugen findet heraus, wie die Plattform die User:innen gezielt manipuliert. Sie wendet sich darauf an den Journalisten Jeff Horwitz vom Wall Street Journal. Zusammen versuchen sie, die bestgehüteten Geheimnisse des sozialen Netzwerks zu lüften.
Wer Mark Zuckerberg ist, der 2004 die Kontaktplattform Facebook lancierte - das haben der Regisseur David Fincher und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin in ihrem Film The Social Network von 2010 gezeigt. Sorkin machte schon damals klar, wie wenig er von Facebook hielt: «Es verdrängt das Entscheidende, was uns menschlich macht, unsere Fehler.»
Was Zuckerberg seither aus Facebook gemacht hat und mit welchen Folgen - das zeigt Sorkin als Autor und Regisseur mit seinem neuen Film The Social Reckoning, den er explizit nicht als Sequel verstanden haben will. Das zeigt sich schon daran, dass Sorkin seine Geschichte zwar ähnlich packend, aber komplett anders erzählt: Diesmal ist ist Zuckerberg, von Jeremy Strong als kalter Choleriker gespielt, bloss eine Nebenfigur seiner eigenen Erfindung. Wir sehen ihn bei den Proben für eine politische Anhörung und realisieren, dass er immer noch keinerlei Kritik an seiner Person und an seiner Plattform zulässt.
Parallel dazu führt uns Sorkin gleichsam von aussen in das Funktionieren von Facebook ein, wobei er auf wahre Begebenheiten zurückgreift. Im Zentrum des Films steht Frances Haugen (Mikey Madison), die gerne bei Facebook arbeitet, weil es die Menschen zusammenbringe. Doch je länger sie dort mitmacht, desto stärker wachsen ihre Zweifel über die Auswirkung von Facebook auf seine Nutzer:innen. Denn um die Quote zu erhöhen, favorisiert die Firma aggressive Reaktionen der User und fördert damit die Verbreitung rechtsextremer Überzeugungen. Als der Wirtschafts-Journalist Jeff Horwitz (Jeremy Allen White) die Facebook-Mitarbeiterin mit Fragen zur Plattform konfrontiert, gibt sie ihm erst widerwillig, dann immer überzeugter Auskunft. Indem uns Sorkin an den Zweifeln von Haugen und den Recherchen von Horwitz teilnehmen lässt, wird uns das Ausmass der Manipulation immer stärker bewusst, die Zuckerberg mit seiner Erfindung betreibt. Facebook bringt die Menschen nicht zusammen. Es hetzt sie gegeneinander auf.
Jean-Martin BüttnerGalerieo
